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понедельник, 10 февраля 2014 г.

Herzliche Grüße

Ihr "GÄUBOTE"-Team

Martin Kochs Bemerkung zu diesem Artikel:Ausstellung Reusten

Eine Wanderin zwischen mehreren Welten

Reusten: Anna Arlamova stellt ihre fantasievollen und von der Literatur inspirierten Werke aus

Der sozialistische Realismus war nie die Sache der im sibirischen Altai geborenen freischaffenden

Malerin und Kunstdozentin Anna Arlamova. Die Absolventin der Kunstakademie im ukrainischen

Lemberg ging in Sachen Kunst ihre eigenen Wege. Die in Tübingen lebende Künstlerin hat ihr

Handwerk von der Pike auf gelernt. Das setzt sie frei, innovativ und fantasievoll ein. So taucht man im

Reustener Bergcafé in ganz eigene teils magische Welten ein.


Rüdiger Schwarz. Aus den Bildern der Leiterin der integrativen Kunst- und Kulturwerkstatt für

Kinder und Jugendliche in Tübingen weht den Betrachter viel russische Seele an. Nicht nur aus

deren melancholischen, sehnsuchtsvoll romantischen und sakral mystischen Tiefen schöpfen diese

Malereien. Sie zeigen sich nur allzu oft von der russischen Literatur inspiriert. Ja, sind gleichsam eine

Hommage an jene. Auf einer Trilogie gleicht der russische Nationaldichter Alexander Sergejewitsch

Puschkin einem jungen Apoll. Mit seiner wilden Lockenpracht nebst der ephebenhaft erotischen

Aura, die ihn umgibt, scheint er einem der Werke Thomas Manns entstiegen zu sein. Mal wirft er

einem einen leicht wehmütigen Blick zu. Mal zeigt ihn die Künstlerin in sehnsuchtsvoll verträumter

Manier über seinem Schreibtisch lehnen.

Anna Arlamova nimmt nicht nur auf sehr poetische Art und Weise Gefühl und Geist Puschkinscher

Dichtung auf, sondern erzählt zugleich aus seinem Leben. Die drei gezeigten Bilder aus der

Serie "Mein Puschkin" sind mehr als "nur" Porträts. Wie in einigen der ausgestellten Werke vermischt

die versierte Künstlerin Malerei, Zeichnung und Druckgrafik in ganz einzigartiger und originärer

Manier.

In Landschaftsimpressionen vermengt sich Naturalismus mit einem surreal wirkenden mystisch-
magischen Farb- und Lichtzauber. Mal schaut man durch ein Gewirr leicht verfremdeter Birken

auf eine orthodoxe Klosteranlage. Das andere Mal geben sie den Blick auf einen klassizistisch

gehaltenen Landsitz frei. In der ersten Szenerie glüht und schimmert der Horizont unter einem

Wetterleuchten in orangefarbigen und gelben Farbklängen. Durch die andere tanzt und rieselt

ein sanftes Schneegestöber nieder. Der adelige Landsitz ist den Schauplätzen der Dramen Anton

Tschechows nachempfunden. Dass Winterstimmung herrscht, kann als Wink auf den Niedergang

des russischen Adels vor dem Heraufziehen der Oktoberrevolution genommen werden. Eine der

Hauptthematiken des Dramatikers.

Im Sog Hermann Hesses

Synthese, Universalsprache, Ritus und Sakralität - der Betrachter wird mitten in den geheimnisvollen

Sog von Hermann Hesses Alterswerk Glasperlenspiel hineingezogen. Über eine komplexe

Maltechnik fängt Arlamova die Stimmung und gleichsam die Quintessenz des Romans ein.

Fromm und engelsgleich scheint das Gesicht des Schriftstellers selbst auf. Die lyrisch abstrakten

Farben und Flächen sind ein einziges kathedralenhaftes Lichtspiel. Postsurrealistische und

zugleich tief empfindsame Welten tun sich über die Bilder "Metamorphose" und "Begegnung"

auf. Mal in Acrylfarben, mal über einen Materialmix mit Reliefeffekten verschwimmen die

Grenzen zwischen Realität und märchenhaft anmutenden Traumwelten. Vögel in Magritte-
manier und ein Seerosenteich aus Äpfeln greifen zwei immer wiederkehrende Symbollinien auf.

Desgleichen geht es sobald bei einer kleinen Pferdeherde und einem Einhorn um die Achtung vor

allem Schöpferischen. Ob nun der geistigen Innenwelten oder der Natur. Eine ganze Serie von

Tuschefederzeichnungen erzählt literarische oder eigene Geschichten. Es sind Illustrationen zu

Michail Bulgakows "Der Meister und Margarita", Goethes Ballade vom "Erlkönig" oder Arlamovas

Kindheitserinnerungen "Aufgespießte Schmetterlinge". Ein warmes Stillleben in Acrylöltechnik

lädt über einen Samowar, russisches Kringelgebäck und Brauttuch nebst Äpfeln und Zitrone

zur Teestunde ein. Anna Arlamova hat noch eine Wohnung im ukrainischen Krementschug. Die

Kosmopolitin organisierte zuletzt einen Studenten- und Künstleraustausch zwischen Tübingen und

ihrer einstigen Wirkungsstätte als Leiterin der staatlichen Kunstschule.

Die Bilder aus dem umfangreichen Oeuvre von Anna Arlamova sind noch bis Mitte März im Bergcafé

in Reusten zu sehen.

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